Das Ende von Linux in München?
Nein, noch nicht.

Der heutige Beschluss dient nur in zweiter Linie der Migration von PCs von LiMux zu Windows. In erster Linie dient er der Reorganisation der IT, was sehr löblich ist. Die IT der Münchner Stadtverwaltung leidet an ihrer historisch gewachsenen Organisationsstruktur und nicht an grundsätzlichen Mängeln in der verwendeten Software. Jetzt wird erstmals ein echtes IT-Referat eingeführt, was wir grundsätzlich für sehr richtig halten.

Dennoch stimmten wir gegen die Vorlage der Stadtverwaltung, und zwar aus 2 Gründen:

1. Das Endziel „weg von LiMux, hin zu Windows“ ist zu apodiktisch formuliert. Genauso, wie der Start des LiMux-Projektes eher rot-grün-ideologisch begründet war, so ist jetzt der Marsch in die andere Richtung schwarz-rot-ideologisch begründet. Ja, der Linux-Client, mit dem die heutigen Anwender in der Stadtverwaltung zwangsbeglückt werden, ist eine einzige Zumutung. Daher ist ein gewisser Widerwillen gegen das Staatslinux verständlich.

Wozu aber hat der Münchner Steuerzahler ein teures Gutachten bezahlt? Die Gutachter haben aus vielen guten Gründen einen Parallelbetrieb von Linux- und Windows-Clients empfohlen. Dieser Parallelbetrieb ist heute schon halboffizielle Realität, er könnte auf einfache Weise zum Standard gemacht und kostengünstig weiter supportet werden.

Mehr zu diesem Punkt findet man in vielen einschlägig interessierten Medien, z.B. bei golem am 14.2.

Man kann nur hoffen, dass in den nächsten Jahren die Kraft der Fakten und der Vernunft eine staatliche Zwangsbeglückung aller Arbeitsplätze – diesmal mit Windows – vermeidet.

2. Bereits für den allerersten Schritt, in dem an der IT selbst überhaupt nichts geändert wird, bekommt die Verwaltung mit dem heutigen Beschluss 21 neue Stellen eingerichtet. Das ist für eine Reorganisation, die doch die „Effizienz“ erhöhen soll, ein schlechter Anfang! Normalerweise gehen Effizienzsteigerungen doch mit Personalentlastungen einher.

Typisch für so viele Stadtratsdiskussionen war auch heute, dass dieser Punkt in all den flammenden Reden unserer Konkurrenten von links und rechts keine Rolle spielte.